Über Wege.

Ich weiß nicht warum mich Wege so sehr faszinieren. Vielleicht ist es das Gewöhnliche an Ihnen, vielleicht weil sie einfach da sind, vielleicht weil sie trotz des Wortes, welches sie umschreibt, so unterschiedlich sein können. Ob ich nun eine Straße entlang gehe, einen Pfad im Wald oder über eine Holzbrücke. All das sind Wege, die irgendwohin führen und werden auch als solche bezeichnet. Ein Weg auf dem ich gehe, ein Weg auf dem ich meinen rechten vor den linken Fuß setze, ein Weg, den ich gewählt habe zu gehen.
Trotz dieser sehr nahen Verbindung von dem Weg und dem was er alles sein kann, komme ich nicht umhin ihm eine weitere, tiefere, metaphorische Bedeutung zu verleihen. Der Weg ist nicht nur das Pflaster wenn wir morgens zur Bahn laufen oder zum Bäcker um die Ecke gehen, er ist nicht nur die Erde im Wald beim Sonntagspaziergang und er ist nicht nur die Holzbrücke, deren Balken sich unter unseren Füßen morsch anfühlen.
weg_blumeWege können auch Gedanken sein, die entstehen, sich formen, verpuffen, wieder auftauchen, sich zweigen. Entscheidungen, die ich treffe eröffnen oder verwehren mir Wege, die ich in meinem Leben gehen kann. Wenn ich vor mich hin träume kann ich mich für unterschiedliche Richtungen entscheiden, unterschiedliche Gedankengänge entlang laufen, mich verlaufen und wieder zurück finden. Ich kann zurück blicken, mich umblicken, vor schauen, um die Ecke sehen, die Augen schließen und mich in den Weg setzen. Ich kann Wege gehen, die es gibt, ich kann meinen Weg gehen, ich kann Wege erschließen, neue Wege gehen, zurück gehen oder eine andere Richtung einschlagen.
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Ich kann verwegen sein, mich auf anderen Wegen befinden, tanzen, frei sein, atmen und gehend auf dem Weg verschwinden. Ich kann weg sein, ich kann da sein, ich kann den einen Weg gehen oder einen anderen. Ich kann weggehen, mich nicht umdrehen, umsehen, sondern nach vorne blicken und mich bewegen.

Ist nicht jeder Weg da, um ihn zu gehen?


Fotostrecke: eigene Aufnahmen, Ort: Battle Ground, Indiana, USA