Grenzen

Wenn ich an Grenzen denke fallen mir hohe Zäune ein, Linien zwischen Ländern in einem Atlas und mir kommt der Gedanke, dass an einer Grenze etwas aufhört und auf der anderen Seite der Grenze etwas beginnt. Doch wie verhält es sich mit körperlichen Grenzen oder emotionalen oder auch geistigen Grenzen? Sind diese genau so zu definieren und wenn ja, wie bestimme ich diese Grenzen?

Der Gedanke an die eigenen Grenzen kann einem Angst machen: Wo befinden sie sich? Welche Ängste gehen damit einher? Bin ich dadurch schwach? Wie kann ich daraus eine Stärke entwickeln? Ist es überhaupt möglich aus Grenzen eine Stärke zu entwickeln? Es gibt sicher kein Patentrezept für das Entdecken und den Umgang mit Grenzen. Braucht es wie ich finde auch nicht, denn sich allein darauf einzulassen sie zu erkunden und zu erleben ist sehr bereichernd. Manchmal reicht eine Erfahrung aus, um festzustellen wo sie sich befinden, manchmal brauchen wir mehrere Erfahrungen, um sie eindeutig bestimmen zu können. Und manchmal müssen wir die Grenze überschreiten, um zu merken, dass sie ausschließlich als Blockade im Kopf existiert hat und sich im Grunde weiter entfernt befindet als wir es vermutet haben. Das Interessante bei diesem ganzen Prozess ist, dass sich es bei allen drei Bereichen (körperlich, emotional, geistig) nahezu äquivalent verhält und es im Prinzip nur an uns selber liegt, ob und wie wir unsere Grenzen entdecken, erleben und überschreiten. Dafür muss ich keinen Extremsport machen, mich nicht in ein Liebesabenteuer nach dem anderen werfen oder versuchen Kants Kritik der reinen Vernunft zu verstehen und darüber diskutieren. Ich kann das alles machen, um meine Grenzen kennen zu lernen. Manchmal reicht aber auch eine kleine Wanderung in einem Canyon, um festzustellen, dass die Höhenangst immer noch da ist, das flaue Gefühl sich beim Blick an den steil abfallenden Wänden runter immer noch einstellt und das Erlebnis, dass das Gefühl nach einer Weile so gering durch scheint, dass die Freude an der Wanderung dem gegenüber deutlich überwiegt und die Feststellung, dass die Grenze überschritten werden kann und sich dadurch um ein ganzes Stück weiter weg entfernt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass aus der ursprünglichen Schwäche die Stärke erwachsen kann über seine Grenzen hinauszugehen, diese zu verschieben oder sie (in manchen Fällen) komplett auszulöschen.

Bei allem was wir im Rahmen dieses Erlebens unternehmen ist es wichtig dabei in sich reinzuhören: Was fühle ich? Fühle ich mich wohl oder ist es mir gerade zu viel? Möchte ich weitergehen? Möchte ich mehr? Möchte ich Neues lernen?

Kennst Du deine Grenzen? Kennst Du deine Stärke und Schwächen?